Hand sprüht mit Sprühdose Rostlöser auf die rostige Mutter eines metallenen Flansches in einer Werkstatt

Schmierstoffe im Überblick – Optimal geschmiert und geschützt

Inhalt:

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Dass bewegliche Teile aller Art eine Schmierung benötigen und unter Umständen auch vor Korrosion geschützt werden müssen, ist den meisten klar. Die passenden Schmierstoffe für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden, ist allerdings nicht immer ganz einfach. Hier bekommst du den Überblick. Merksatz: Für einen spezifischen Anwendungszweck sollte auch das anwendungsspezifische Öl zum Einsatz kommen.

Öle

Der erste Gedanke fällt auf Öl, ist es doch sozusagen das Blut eines jeden Verbrennungsmotors. Diese sollen jedoch nicht Thema dieses Beitrags sein.

Hauptmerkmal von Ölen ist, dass sie flüssig sind. Ihren Hauptanwendungsbereich haben sie dort, wo Teile häufiger oder „leichter“ in Bewegung sind. Anders als Fette dringen sie leichter in Zwischenräume ein und bieten auch einen gewissen Korrosionsschutz. Öle müssen an ihrem Einsatzort allerdings häufiger erneuert werden, da sie nicht besonders lange haften.

Universalöl

Sehr bekannt sind Universalöle, wie etwa das berühmte WD-40. Tatsächlich sollten diese in keinem Haushalt und erst recht in keiner Werkstatt fehlen.

WD-40 Multifunktionsprodukt Smart Straw 400ml

Sprühdose

Mit ihren vielfältigen Eigenschaften decken sie einen Großteil der typischen Anwendungsfälle ab: Neben ihrer leicht schmierenden Wirkung lösen sie auch Rost, helfen bei der Reinigung von Komponenten und beugen Korrosion vor. Wer bereits mit festsitzenden mechanischen Teilen Bekanntschaft machen durfte, schätzt außerdem die Kriechfähigkeit der Öle: Das bedeutet, dass das Mittel aufgrund seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften zwischen festsitzende Bauteile eindringt und dort seine (insbesondere rostanlösende) Wirkung entfaltet. Abgerundet wird ihr Nutzen von der feuchtigkeitsverdrängenden Wirkung. Metallische Komponenten werden so vor Korrosion geschützt, auch wenn sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Allerdings sollte sich der Anwender auch darüber im Klaren sein, dass die Schmierwirkung bei Universalölen nicht so stark ausgeprägt und weniger dauerhaft ist als bei speziell auf den Anwendungszweck abgestimmten Mitteln. Universalöle werden meist mit einer Sprühdose ausgebracht.

Typische Anwendungsfälle: Lösen festsitzender Schrauben und Verdrängen von Feuchtigkeit an Metallteilen – etwa bei quietschenden Türangeln, verrosteten Fahrradschrauben oder festkorrodierten Muttern.

Universalöle sind unschlagbar praktisch und sollten in keiner Werkstatt fehlen. Wenn es um einen spezifischen Anwendungszweck geht, sollten aber auch andere Schmiermittel in den Blick genommen werden.

Feinmechaniköl / Nähmaschinenöl

Der Begriff Nähmaschinenöl versinnbildlicht den Anwendungsbereich: feine Mechanik. Zu diesem Zweck ist Feinmechaniköl dünnflüssiger als typische Universalöle und zudem rückstandsfrei anwendbar.

Feinmechaniköl verströmt auch nicht den für Universalöle typischen Geruch, was bei der Anwendung im Haushaltsbereich angenehmer ist.

Der Anwendungsbereich beschränkt sich auf die reine Schmierung feiner mechanischer Komponenten. Die sonstigen Eigenschaften der Universalöle wie das Lösen von Rost oder die Verdrängung von Feuchtigkeit fehlen dem Feinmechaniköl. Das Feinmechaniköl weist zudem typischerweise eine kürzere Standzeit auf und muss häufiger erneuert werden. Üblicherweise werden Feinmechaniköle tropfenweise ausgebracht und nicht gesprüht, was unterstreicht, dass sie nur für die punktuelle Anwendung gedacht sind.

Typische Anwendungsfälle: Schmierung feinster Mechaniken wie Nähmaschinen, Schlösser, Scharniere oder Uhren, wo ein leichtgängiger, nicht verharzender und sauberer Schmierfilm erforderlich ist.

Feinmechaniköl Nähmaschinenöl

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Waffenöl

Ähnlich wie Feinmechaniköl ist Waffenöl relativ dünn. Speziell für Waffen sollte stattdessen aber stets Waffenöl verwendet werden, da dieses weitere Inhaltsstoffe beinhaltet, welche bewirken, dass sich Pulver- und Verbrennungsrückstände leichter lösen lassen.

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Kettenöl

Die Bezeichnung weist hier bereits auf den sehr spezifischen Anwendungsbereich hin. Zum Einsatz kommen die Öle typischerweise bei Fahrrad- oder Motorradketten sowie bei Kettensägen. Aufgrund der besonders hohen Anforderungen sollte hier tatsächlich auch ausschließlich Kettenöl zum Einsatz kommen, das für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet ist.

Zahnkrank Kassette eines Fahrrads mit Schmiermittel in einer Werkstatt
Bild KI-generiert

Deutlich werden die speziellen Anforderungen am Beispiel der Kettensägenöle: Das Öl muss an der Kette stark anhaften, damit es bei deren schnellen Umdrehungen nicht abgeschleudert wird. Dementsprechend ist es auch zähflüssiger als viele andere Öle. Es muss nicht nur beständig gegen Feuchtigkeit sein, sondern auch dem Schmutz und den Spänen standhalten, die naturgemäß anfallen. Nicht zuletzt erhitzen sich die Ketten enorm stark, was allerdings nicht zum Abriss der Schmierung führen darf, auch wenn dabei nach und nach Öl verbrennt.

Speziell beim Kauf von Kettenöl sollte auf seine biologische Abbaubarkeit geachtet werden, da es im Außenbereich zur Anwendung kommt.

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1 Liter

 

Silikonöl

Silikonöl basiert nicht, wie die meisten übrigen Schmieröle, auf Mineralöl, sondern auf Silikonbasis.

Es bildet eine (wasserabweisende) Schutzschicht und pflegt auf diese Weise Gummi und Kunststoff und frischt nebenbei auch deren Farbe auf. Silikonöl eignet sich daher optimal für die Pflege von Gummidichtungen.

Daneben ist es in geringerem Umfang auch als Schmiermittel geeignet. Es reduziert Reibung und stellt Gleitfähigkeit her. Für hohe Belastungen ist es allerdings nicht gemacht und kann daher in puncto Schmierfähigkeit nicht mit den klassischen Ölen mithalten. Dafür ist es in einem sehr großen Temperaturbereich von -50 bis +200 Grad Celsius anwendbar.

Silikonöl reagiert nicht mit Gummi, Kunststoffkomponenten oder Metallen und ist daher das Mittel der Wahl bei Materialien, die von anderen Ölen angegriffen würden.

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Schneidöl

Schneidöl kommt im Bereich der Metallverarbeitung, also beim Bohren und Schneiden, zum Einsatz, wo extrem hohe Reibung stattfindet. Es wird auf die Kontaktstelle zwischen Werkzeug und Werkstück aufgebracht und haftet dort leicht an. Der Fokus liegt hier nicht allein auf der Schmierung, sondern vor allem auch auf der Ableitung von Hitze. Auf diese Weise wird die Standzeit des Werkzeugs verlängert. Das Schneidöl ist nur für die Dauer des Bearbeitungsvorgangs notwendig und wird danach wieder abgewaschen.

Metallbohrer in einer Tischbohrmaschine dringt in eine Metallplatte ein und verursacht Matallspähne
Bild KI-generiert

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Fette

Der augenfällige Unterschied zwischen Ölen und Fetten ist deren Konsistenz. Fette sind fester als Öle, teilweise pastös. Sie bleiben an Ort und Stelle haften. Sie eignen sich vor allem für langsam bewegliche Teile, können aber größere Druckbelastungen aushalten und sind für eine dauerhafte Schmierung geeignet, müssen also nicht laufend erneuert werden. Fette sind allerdings nicht kriechfähig, dringen also nicht tief in feinmechanische Komponenten ein.

Der klassische Anwendungsfall sind Lager, Gelenke, Scharniere und bestimmte Schraubverbindungen. Im Haushaltsbereich sind sie klassischerweise in Fensterbeschlägen, Fahrzeugtürscharnieren usw. anzutreffen.

Lithiumfett

Lithiumfett gilt als Mehrzweckfett. Ebenso wie ein gutes Universalöl sollte auch Lithiumfett in keiner Werkstatt fehlen. Es weist eine gute Haftung auf, ist druckfest und wasserbeständig. Für die meisten Scharniere sowie Kugel- und Rollenlager ist es eine gute Lösung.

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Kupferpaste

Kupferpaste ist eine Mischung aus Fett und feinen Kupferpartikeln. Sie ist vor allem bei Anwendungen gefragt, wo eine hohe Temperaturbeständigkeit (bis über 1.000 Grad Celsius) erforderlich ist und das Festbrennen oder Festfressen von Komponenten verhindert werden soll. Sie ist somit kein Schmiermittel im eigentlichen Sinn, sondern eher ein Montagehilfs- bzw. Trennmittel. Häufig ist sie im Kfz-Bereich anzutreffen, an Stellen, an denen hohe Temperaturen herrschen, etwa rund um Auspuff und Bremsanlage.

LIQUI MOLY Kupferpaste 100 g, Lithium Fett

 

Keramikpaste

Keramikpaste hat einen ähnlichen Anwendungsbereich wie Kupferpaste. Statt der Kupferpartikel kommen hier keramische Stoffe zum Einsatz. Sie ist im Vergleich zu Kupferpaste noch einmal deutlich temperaturbeständiger und wegen der fehlenden Metalle auch nicht elektrisch leitend. Auch bei Keramikpaste handelt es sich nicht um ein klassisches Schmiermittel.

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Silikonfett

Silikonfett hat in Bezug auf seine Materialverträglichkeit und Schmierfähigkeit dieselben Eigenschaften wie Silikonöl, ist lediglich fester. Der typische Anwendungszweck sind Dichtungen, die damit eingerieben werden. Aufgrund seiner Eigenschaften greift es Gummi nicht an.

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Spezialschmierstoffe

Neben den klassischen Ölen und Fetten gibt es noch zahlreiche weitere Schmierstoffe, darunter auch die sogenannten Trockenschmierstoffe, die hier noch kurz dargestellt werden sollen. Ihre chemischen Grundlagen sind allerdings sehr verschieden.

Graphit

Graphit ist im Prinzip extrem feines Kohlenstoffpulver. Die Schmierwirkung kommt durch die schichtartige Struktur der Graphitpartikel zustande. Es ist hitzebeständig bis ca. 450 – 500 Grad Celsius. Eine Besonderheit ist, dass es trocken ist, anders als Öle und Fette.

Anders als kriechfähige Öle dringt es nicht „von selbst“ in Zwischenräume ein. Seine große Stärke ist aber, dass es keinen Staub anzieht und daher nicht verklebt. Es lässt sich vor allem in Mechaniken verwenden, die trocken laufen und trotzdem geschmiert sein sollen.

Typischer Anwendungsfall: Schlösser in staubigen Umgebungen, wo Öl ansonsten Staub anziehen würde.

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Teflon

Teflon (Polytetrafluorethylen, PTFE) ist ein sehr glatter Kunststoff. Es ähnelt Graphit dahingehend, dass es einen trockenen, reibungsarmen Film bildet, der nicht klebt und auch nicht schmutzanfällig ist. Es ist temperaturbeständig bis rund 250 Grad Celsius. Es ist besonders zu bevorzugen, wenn mechanisch beanspruchte Kunststoffflächen trocken geschmiert werden sollen.

Typischer Anwendungsfall: Fensterbeschläge, Schubladenschienen oder Fahrradketten, wenn eine trockene, saubere Schmierung gewünscht ist, die keinen Schmutz anzieht.

BALLISTOL Teflon-Spray 400ml

 

Fazit:

Wenn der spezifische Anwendungsfall feststeht, sollte auch das am besten geeignete Mittel zur Anwendung kommen.

Ein gutes Universalöl sowie ein Mehrzweckfett sind aber Pflicht für jede Werkstatt, da sie die allermeisten Anwendungsfälle gut abdecken.

Grob festgehalten werden kann, dass Öle eher bei schnell beweglichen Teilen zum Einsatz kommen, Fette bei langsam beweglichen Teilen.